Trekking auf den Arctic Circle Trail Vorbereitung

Trekking auf dem Arctic Circle Trail
Plane deine Tour!

Die wichtigsten Infos zum Arctic Circle Trail (ACT) auf einen Blick

Für wen ist der Trail geeignet? Be honest with yourself!

Gleich zu Beginn ein Geständnis: Wir haben den Trail unterschätzt. Die geringen Höhenmeter auf dem Papier verleiten schnell dazu anzunehmen, der Trail sei einfach. Doch der ACT stellt eine Wanderin vor ganz andere Herausforderungen: Der Arctic Circle Trail befindet sich in Grönlands subpolarer Klimazone. Diese zeichnet sich vor allem durch weite Offenlandgebiete aus, die als Tundra bekannt sind. Über dem Permafrost im Boden wachsen keine Bäume, lediglich Flechten, Moose, Gräser und sommergrüne Zwergsträucher. Das klingt zunächst nicht weiter dramatisch für den Wanderer, doch im Sommer entstehen durch Staunässe temporäre Feuchtgebiete, da der Permafrost das Abfließen oder Versickern von Schmelz- und Regenwasser im Boden verhindert.

Die größte mentale und körperliche Herausforderung des Trails besteht aus unserer Sicht nicht in weiten Entfernungen, vielen Höhenmetern oder Kletterpartien. Es sind die über weite Strecken sumpfigen, teils gefluteten Abschnitte, die Kraft kosten, die keine Schuhe und keine Hose jemals trocknen lassen. Mit jedem Schritt versinken wir mehrere Zentimeter, manchmal auch bis zum Knie, in Schlamm oder Wasser. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt auch bei erfahrenen Ultraleicht-Thruhikern nur bei 2,5 Kilometern pro Stunde! Problematisch kann bei andauerndem Regen auch das Furten der Flüsse werden. Nur über den Itinneq River gibt es eine Brücke, vier weitere Flüsse müssen zu Fuß durchquert werden.

Planung Trekking Arctic Circle Trail
Nur eine der Herausforderungen des Trails...

Das I-Tüpfelchen? Der Trail gehört zu den abgelegensten Trails der Welt. Es gibt keine Shortcuts. Evakuierungen sind schwierig und sehr kostspielig. Ebenso wenig lässt sich unterwegs Proviant nachkaufen. Auf dem ACT ist jeder auf sich allein gestellt.

Bist du bereit für den ACT?

Bevor du dich entscheidest, den Arctic Circle Trail zu gehen, solltest du dich mit den folgenden Fragen auseinandersetzen und diese ehrlich beantworten. Lautet die Antwort immer „JA“ – herzlichen Glückwunsch! Bei uns war das nicht der Fall, trotz Trekking-Erfahrung in Chile, Peru und Georgien. Warum wir den Trail trotzdem gegangen sind? Weil wir bereit waren, uns monatelang vorzubereiten, weil wir bereit waren, unsere mentalen und körperlichen Grenzen zu verschieben. Unabhängig davon, wie deine Antworten auf unsere Orientierungsfragen ausfallen, Vorbereitung ist Key.

 Nutze bitte auch die offizielle Website des Arctic Circle Trails für aktuelle Infos zum Trail und weitere Details. Bitte nimm auch dort am Self-Assement-Quiz teil. Die Trailmanagerin bietet außerdem regelmäßig kostenlose Online-Kurse zur Vorbereitung auf den Trail an.

  Wir können hier nur das berichten und weitergeben, was wir selbst erfahren haben und übernehmen für niemanden Verantwortung. 

Stelle dir die folgenden Fragen:

Planung und Vorbereitung auf den Arctic Circle Trail

An- und Abreise nach und von Grönland

Der Arctic Circle Trail lässt sich in Kangerlussuaq oder Sisimiut beginnen. Wir empfehlen den Start von Kangerlussuaq aus, denn Air Greenland fliegt die kleine Stadt direkt von Kopenhagen aus an. Grund dafür sind die für Grönland relativ stabilen Wetterverhältnisse in Kangerlussuaq. Flugverbindungen nach und über Nuuk oder Ilulisat werden deutlich häufiger wegen schlechten Wetters gestrichen. Sisimiut wird zumeist nur über Nuuk angeflogen. Alternativ kann man auch mit der Sarfak Ittuk Passenger Ferry nach Sisimiut reisen, die zwischen Ilulisat und Nuuk verkehrt. Für die Anreise nach Kopenhagen empfehlen wir aus Nachhaltigkeitsgründen den Euro-City von Hamburg aus. Die Flugpreise nach Grönland sind in den letzten Jahren mit zunehmender Popularität des Landes bei Reisenden um einiges gestiegen. Nach unserer Erfahrung empfiehlt es sich immer direkt über die Seite der Airline zu buchen. Wir haben ein halbes Jahr im Voraus gebucht und pro Person ca. 1.200 Euro für hin und zurück bezahlt.

Noch ein Wort zu Air Greenland: Der Service am Boden und in der Luft ist wirklich super, allerdings kommt es öfter vor, dass Flüge überbucht werden. Uns ist das auf der Rückreise passiert. Da wir mit Frühbucherrabatt gebucht hatten, also die günstigsten Tickets, wurden wir von Nuuk nach Kopenhagen aus dem Flug gestrichen und konnten erst zwei Tage später zurückfliegen. Das war in unserem Fall nicht schlimm, und ein Wochenende in Nuuk in einem hübschen Hotel mit Frühstücksbuffet und Essensgutscheinen für die meisten Restaurants in der Stadt auf den Nacken der Airline ist schon nicht zu verachten! Trotzdem war es im ersten Moment sehr ärgerlich. Da dieser Fall bei Air Greenland wohl kein Einzelfall ist, kann es nicht schaden, ein bis zwei Tage Puffer einzuplanen.

Mit Air Greenland über dem ewigen Eis

Start- und Endpunkte des ACT

Die meisten Wanderer laufen den Trail von Kangerlussuaq nach Sisimiut – vom Eisschild bis ans Meer – und nehmen vor dem Start noch eine Tour zum Grönländischen Inlandeis oder dem Russell Glacier mit. Offiziell befindet sich der Trailhead an der ehemaligen amerikanischen Forschungsstation Kellyville. Ein Transfer von Kangerlussuaq dorthin lässt sich einfach über die ansässigen Touranbieter arrangieren und kostet umgerechnet ca. 35 Euro für zwei Personen. Natürlich kann man die zwanzig Kilometer Schotterstraße auch laufen und an der Forschungsstation das erste Nachtlager errichten.

Wir sind vom Russel Glacier aus gestartet. Das bietet sich vor allem in Verbindung mit einer Tour zum Eisschild an – was man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Auch dafür gibt es in Kangerlussuaq mehrere Anbieter. Wir haben uns für eine ganztägige Tour mit Albatros Arcitc Circle entschieden. Die Touren starten meistens am Flughafen – dem Dreh- und Angelpunkt des Ortes. Dort haben wir unsere Rucksäcke für die Tagesetappe und eine Nacht im Zelt umgepackt und den restliche Proviant in einem Hotel direkt im Flughafen kostenlos eingelagert. Mehr zur Tour, zum grönländischen Inlandeis und natürlich zum Russel Glacier kannst du in dieser Reisegeschichte nachlesen.

Start am Russel Glacier
Wir haben den ACT am Russel Glacier begonnen.
Der offizielle Trailstart in Kellyville

Auf der Rückfahrt nach Kangerlussuaq haben wir unseren Guide gebeten, uns an der Straße auf Höhe des Russell Glaciers rauszulassen. Links geht es dann einen Hügel hinauf, auf dessen anderer Seite sich der Gletscher befindet. Es lohnt sich, die zusätzlichen 20 Kilometer nach Kangerlussuaq auf sich zu nehmen, denn am späten Nachmittag hat man den 70 Meter hohen Eisriesen ganz für sich allein. Wer direkt am Gletscher sein Nachtlager errichten möchte, sollte den Strand des Gletschersees unbedingt meiden. Beim Kalben des Gletschers können hohe Wellen bis hin zu Sturzfluten entstehen, weshalb das Zelt in jedem Fall in einiger Entfernung aufgebaut werden sollte. Außerdem sollte das Wasser des Gletschersees nicht getrunken werden, da dort zu viele Sedimente enthalten sind. Auf der rechten Straßenseite in Richtung Kangerlussuaq befindet sich ein großer See, dessen Wasser gefahrlos getrunken werden kann.

Die 20 Kilometer zurück nach Kangerlussuaq lassen sich entweder auf der Dirt Road zurücklegen oder auf dem anspruchsvolleren Ice Ridge Trail, der oberhalb der Straße verläuft. Wir haben uns für die einfachere Variante entschieden, um Kräfte für den eigentlichen ACT zu sparen. Wer sich zurück in der Stadt ein Hotel sparen möchte, findet kurz vor dem Ort einige gute Möglichkeiten, sein Zelt aufzuschlagen. Am nur wenige hundert Meter entfernten Flughafen kann Wasser geholt werden. Unser Transfer nach Kellyville startete am nächsten Morgen um zehn Uhr ebenfalls vor dem Flughafen, sodass noch genug Zeit blieb, um unsere Rucksäcke wieder mit dem eingelagerten Proviant zu befüllen.

Das Trailende ist ziemlich eindeutig im Küstenort Sisimiut. Allerdings gibt es auch hier mehrere Möglichkeiten dorthin zu gelangen. Entweder man folgt einfach weiter dem ACT, der ungefähr die letzten zehn Kilometer auf der Straße verläuft oder man biegt nach der finalen Flussfurt des ACT nach rechts auf den Oqummiannguaq Trail ab, der durch blaue Kreise markiert ist. Wir fanden es recht schwierig den Trail zu finden und sind daher einfach nach GPS gelaufen, bis wir den ersten blauen Punkt entdeckt hatten.

Der Trail führt an klaren Flüssen entlang und über sanfte grüne Hügel. Im Vergleich zum ACT ist er regelrecht trocken! Entlang des Flüsschen lassen sich auch wunderbare Zeltplätze finden, sodass man am nächsten Morgen ausgeruht die letzten Kilometer nach Sisimiut laufen kann. Für ein weiches Bett und eine heiße Dusche in Sismiut können wir das Easy4You Hostel wärmstens empfehlen.

Trailende in Sisimiut
Der Zieleinlauf in Sisimiut wird belohnt

Routenplanung für den ACT

Der Arctic Circle Trail kann nicht nur an verschiedenen Punkten begonnen und beendet werden, es führen auch zwei verschiedene Routen an das jeweilige Ziel: Der ursprüngliche ACT – die Nordroute – und die Südroute. Die beiden Strecken variieren stark in der Trailbeschaffenheit, dem Schwierigkeitsgrad und der Etappenlänge. Unabhängig davon, für welche Strecke man sich entscheidet, sollten die Etappen entsprechend der eigenen körperlichen Fitness und Erfahrung gewählt werden. Geeignete Zeltplätze sind nahezu immer zu finden, auf einen Schlafplatz in einer Hütten sollte man sich nicht verlassen. Zur Planung der Etappen empfehlen wir die interaktive Karte auf der offiziellen ACT Website. Dort können auch die entsprechenden GPS-Tracks heruntergeladen werden.

Die Nordroute

Wir geben hier nur einen Überblick über die Standardroute. Eine detaillierte Beschreibung unserer Etappen findest du in den Reisegeschichten und bald auch in einem gesonderten Beitrag.

Die Nordroute verläuft von Hütte zu Hütte. Es empfiehlt sich, einige der längeren Etappen zu splitten und wild zu campen – vor allem, wenn man nicht ultraleicht unterwegs ist, um Überlastungserscheinungen und Verletzungen zu vermeiden. Auf den Wanderkarten zum ACT sind immer auch alternative Zeltplätze entlang des Weges eingezeichnet. Wir haben außerdem einen Ruhetag auf dem Trail am Lake House und einen weiteren Puffertag eingeplant.

Kellyville – Kattifik: 22 Kilometer

Kattifik – Kanu-Center: 20 Kilometer

Kanu-Center – Ikkattooq: 22 Kilometer

Ikkattooq – Eqalugaarniarfik: 11 Kilometer

Eqalugaarniarfik  – Innajuatooq II (Lake House): 21 Kilometer

Lake House – Nerumaq: 17 Kilometer

Nerumaq – Kangerluarsuk Tulleq Nord: 16 Kilometer

Kangerluarsuk Tulleq Nord – Sisimiut: 19 Kilometer

 

 

 

Denke daran: auch wenn der Trail auf dem Papier einfach aussieht und die Etappen verhältnismäßig kurz sind, erschweren Tundraboden und Permafrost das Vorankommen erheblich.

Hütten entlang der Nordroute

Entlang der Nordroute des ACT gibt es neun offizielle Schutzhütten. Diese sind ganzjährig geöffnet, unbewirtschaftet und stehen jedem nach dem First-come-first-serve-Prinzip zur Verfügung. Die meisten von ihnen bieten lediglich Platz für sechs Personen (außer Kanu-Center und Lake House). Man sollte sich daher nicht von ihnen abhängig machen. Ebenfalls sind die Hütten kein Ort, um Müll zu entsorgen. Die Local Communities können die Hütten ausschließlich im Winter erreichen und warten, sodass jeder Hiker Verantwortung für deren Erhalt und Sauberkeit trägt. Wir haben nur zwei Nächte in Hütten verbracht, da wir es grundsätzlich vorziehen, in unseren eigenen vier Zeltwänden zu schlafen.

The Famous Lake House
Zelt trocknen in der Hütte Kangerluarsuk Tulleq Nord.

Bei der Routenplanung sollte nicht nur die eigene Fitness und genügend Zeit zur Regeneration mitgedacht werden, sondern auch der Zugang zu Trinkwasser. Die meisten Hütten und in den Wanderkarten eingezeichneten Zeltplätze liegen an Flüssen und Seen. Wer in oder an Eqalugaarniarfik übernachten möchte, sollte seine Wasservorräte vorher auffüllen, denn von der Anhöhe, auf der die Hütte gelegen ist, bis hinunter zum See ist es ein ganz schönes Stück zu gehen. Auch Kangerluarsuk Tulleq Nord ist ein gutes Stück vom Fluss entfernt.

Die Südroute

Die Südroute entstand 2021 als Reaktion auf den Bau des ATV-Treks, der etwa ab dem Lake House parallel zum – oder teilweise auch auf dem – ACT verläuft, um Ruhe und Einsamkeit für Hiker weiterhin zu gewährleisten. ABER: Die Südroute ist nicht als Trail ausgebaut! Dem ACT fehlen dafür Geld und Personal. Diese Alternative sollte nur von sehr erfahrenen Backcountry-Hikern gewählt werden, denn:

  • Die Route ist unmarkiert; es gibt keinen erkennbaren Trail. Man läuft auf Tundraboden über Permafrost und sinkt bei jedem Schritt mehrere Zentimeter ein.

  • Es gibt einige An- und Abstiege, die so steil sind, dass sie nur auf allen Vieren oder auf dem Hintern bewältigt werden können.

  • Zwei schwierige Flüsse müssen gefurtet werden.

  • Es gibt nur eine Schutzhütte entlang der Route.

Zu bedenken ist auch, dass die Südroute höher verläuft als die Nordroute und es dort bereits Ende August zu Schneefall kommen kann. Überlege dir also gut, ob du bei Eqalugaarniarfik den Abzweig auf die Südroute nimmst!

Mehr Infos zur Südroute gibt es hier.

Flexibel sein ist alles - Unsere Erfahrung vor Ort

Als wir vom ATV-Trek entlang der ursprünglichen Route erfahren haben, war für uns klar, dass wir die Südroute laufen würden. Entsprechend hatten wir das Navigieren mit Karte und Kompass zusätzlich zum GPS gelernt und uns eingehend über Self-Evacuation im Notfall informiert. Trotz eingehender Vorbereitung mit der ACT-Website und den First-Hand-Infos vom Trail aus der ACT-Facebookgruppe mussten wir vor Ort feststellen, dass wir uns verkalkuliert hatten. Durch den vielen Regen im Sommer 2025 war bereits die Nordroute derart nass und damit unheimlich kraftraubend, dass wir nach Tag zwei am Kanu-Center entschieden, von unserem Plan abzuweichen und stattdessen die normale Route weiterzugehen. Wenn der ACT hier schon einem Sumpf glich, wie würde es dann erst in der wilden Tundra der Südroute sein? Zur Sicherheit hatten wir die GPS-Tracks beider Routen in unserem Garmin InReach gespeichert und die Papierkarten dabei, sodass die erneute Routenplanung einfach war.

Unsere Sorge bezüglich des vermeintlichen ATV-Verkehrs entlang des ACTs erwies sich größtenteils als unbegründet. Genau ein Fahrzeug ist uns begegnet, und das auch erst kurz vor Sisimiut. Je näher man Sisimiut kommt, desto deutlicher sind allerdings die Spuren der Fahrzeuge, die teilweise den Trail und die Umwelt in großem Stil zerfurchen. Uns ist schleierhaft, was dieses Projekt bewirken soll – außer die Zerstörung der Umwelt –, denn der nachhaltige Wandertourismus des ACT boomt eindeutig mehr als der ATV-Tourismus. Warum also nicht Geld in die Hand nehmen und den ACT instand halten?!

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Furcht vor Motorenlärm erwies sich – zumindest Ende August – als unbegründet und ist kein Grund, die Südroute zu wählen, sofern man nicht sehr erfahren ist und sich das ohne Wenn und Aber zutraut.

ACT Trailbeschaffenheit Sumpf
Weite Teile des Trails stehen im Sommer unter Wasser
Der ACT kann auch schön sein
Aber zum Glück gibt es auch solche Abschnitte!

Navigation und Sicherheit auf dem Arctic Circle Trail

Navigation und Sicherheit sollten bei keinem Mehrtagestrek vernachlässigt werden – vor allem nicht, wenn der Trail so abgelegen ist wie der ACT. Panik zu schieben ist allerdings in keinem Fall sinnvoll. Klar – passieren kann immer etwas, aber mit guter Vorbereitung lässt sich das Risiko eindeutig minimieren. Am wichtigsten ist es, die eigene Stärke und Erfahrung richtig einzuschätzen und sich vorab ein realistisches Bild über die Bedingungen auf dem Trail zu machen.

Die größte Gefahr auf dem ACT kann von unvorhergesehenen Wetterumbrüchen ausgehen – von Starkregen, Stürmen, Schnee bis hin zu starker Sonneneinstrahlung kann auch im Sommer alles dabei sein. Wildtiere wird man auf dem Trail eher selten antreffen. Falls man doch einem Rentier oder Moschusochsen begegnet, gilt es, den gesunden Menschenverstand zu benutzen und Abstand zu den Tieren zu halten. Eisbären kommen in Westgrönland sehr selten bis gar nicht vor – aus Erfahrung kann ich aber sagen, dass es gar nicht so einfach ist, die Furcht vor einer solchen Begegnung in der Wildnis des Trails gänzlich auszublenden. Beachtet, dass Bärenspray in Grönland verboten ist! Die Facebook-Gruppe des Arctic Circle Trails und die Website berichten über aktuelle Eisbärsichtungen.

Ein weiteres Risiko können die Flussüberquerungen darstellen. Vor allem der Ittineq River kann nach starkem Niederschlag und sehr nassen Sommern zum Problem werden. Als wir dort waren, hätten wir entweder schwimmen müssen oder uns mit unseren Rucksäcken durch die reißende Strömung kämpfen müssen, weshalb wir auf Nummer sicher gegangen sind und den Umweg zur Brücke in Kauf genommen haben. Bei Flussfurten sollten unbedingt Trekkingstöcke für besseren Halt verwendet und sämtliche Gurte am Rucksack geöffnet sein, sodass man im Falle eines Sturzes nicht vom Rucksack unter Wasser gedrückt werden kann.

Die Steinmännchen mit rotem Halbkreis bieten Orientierung auf dem ACT.

Auf der Nordroute des ACT ist die Navigation recht einfach. Ein klarer Pfad ist zu erkennen, und Steinmännchen mit rotem Halbkreis entlang des Weges bieten Orientierung. Allerdings sollte man sich nicht allein darauf verlassen. Im Sommer 2025 war der Trail derartig nass, dass der Pfad oft nicht mehr zu erkennen war und wir uns unseren eigenen Weg durch die Tundra suchen mussten. Dabei sind wir mehr als einmal vom Kurs abgekommen. Die höher gelegenen Abschnitte des Trails bei Ikkattooq bis hinunter zum Ittineq River verhüllten dichter Nebel und tiefhängende, wattige Wolken, sodass wir die Steinmännchen nicht mehr erkennen konnten. Trail und Markierungen können hier lediglich der Orientierung dienen, jedoch nicht der Navigation.

Da es unterwegs keine Möglichkeit gibt, das Handy aufzuladen, und schon gar keinen Empfang, ist ein GPS-Gerät mit SOS-Knopf und Two-Way-Communication zur Navigation unerlässlich für jeden Hiker. Wir haben uns deshalb das Garmin Inreach Mini gekauft. Es ist eines der gängigsten und günstigsten Two-Way-Devices. Je nach Anbieter kostet es ca. 300–400 Euro. Zusätzlich zahlt man 50 Euro für die Aktivierung, und es ist ein Abo bei Garmin abzuschließen, um alle Funktionen nutzen zu können. Mit jedem Gerät können SOS-Notrufe, Textnachrichten und Check-In-Nachrichten gesendet werden. Außerdem lassen sich Wetterdaten abfragen. Jede Nachricht und jeder Wetterabruf kostet natürlich – auch eingehende Nachrichten. Da wir zu zweit unterwegs waren und nur im Notfall Nachrichten versenden wollten, haben wir uns für das günstigste Abo entschieden. Bei der Aktivierung des Gerätes sind Notfallkontakte anzugeben. Außerdem empfiehlt es sich, wichtige Telefonnummern einzuspeichern, ebenso wie bereits vorformulierte Nachrichten wie „Ich brauche Hilfe.“ Dein Notfallkontakt sollte wissen, was zu tun ist, wenn er eine solche Nachricht von dir erhält.

Zur Navigation solltest du dir die GPS-Tracks deiner Route von der offiziellen Website des ACT auf das Gerät laden. 

Navigation auf dem Arctic Circle Trail
GPS-Gerät, Karten und Kompass zur Navigation auf dem ACT

Doch auch diese Geräte können kaputtgehen oder verloren werden. Deshalb empfehlen wir in jedem Fall, auch die Papierkarten des Trails dabei zu haben. Zumal sie Aufschluss über die weitere Beschaffenheit des Trails geben können und dort zusätzliche Zeltplätze entlang des Weges sowie Seen und Flüsse eingezeichnet sind. Wer ganz sicher gehen will, kann zusätzlich noch einen Kompass mitnehmen – vorausgesetzt, man kann damit navigieren. Bei der Navigation mit Karte und Kompass ist zu beachten, dass die magnetische Deklination in Grönland bis zu 40 Grad betragen kann. Auf dem ACT beträgt sie 25,56 Grad.

Auf YouTube gibt es viele hilfreiche Videos zum Umgang mit dem Garmin Inreach und Kompass. Wir sind mehrmals zur Übung durch die Wälder des Berliner Umlands marschiert und haben mit Kompass und GPS-Gerät für viele hochgezogene Augenbrauen gesorgt.

SAR und Selfevacuation auf dem ACT

Der ACT ist an sich kein gefährlicher Trail. Dennoch kommt es mit zunehmender Popularität des Trails immer häufiger zu Notrufen, die in den meisten Fällen nicht lebensbedrohlich sind und auf Unachtsamkeiten sowie mangelnde Vorbereitung der Hiker zurückzuführen sind. Grundsätzlich gilt: Der SOS-Knopf an deinem Garmin InReach ist nur für lebensbedrohliche Notfälle gedacht – das heißt, wenn du in akuter Lebensgefahr schwebst und/oder nicht mehr in der Lage bist, sicher vom Trail herunterzukommen. In allen anderen Fällen musst du dich selbst evakuieren können. Grönland ist ein großes Land mit wenigen Einwohnern und hat daher nur begrenzte Möglichkeiten für SAR – Search and Rescue. Diese Missionen kosten dich nicht nur mehrere zehntausend Euro – in Grönland greift keine derartige Versicherung –, sondern beschäftigen bis zu 18 Personen, die an anderer Stelle vielleicht für wirklich lebensbedrohliche Notfälle gebraucht werden.

Solltest du tatsächlich in Lebensgefahr geraten und den SOS-Knopf drücken müssen, ist es wichtig, dass du dich unter offenem Himmel befindest, da in Hütten die Satelliten, die deinen Notruf empfangen sollen, nicht erreicht werden können. Bleibe solange an Ort und Stelle, bis du den Helikopter siehst, und mache durch deine Stirnlampe und das Winken mit beiden Armen auf dich aufmerksam. Es kann je nach Standort und Wetterbedingungen mehrere Stunden oder auch einen ganzen Tag dauern, bis ein SAR-Team dich erreicht. Erste-Hilfe-Kenntnisse sind also unerlässlich. Informiere dich vorher, wie du bei deinem Gerät einen Notruf absetzt und wie die Kommunikation über das Gerät mit den Einsatzkräften funktioniert.

In allen anderen Fällen musst du dich selbst vom Trail evakuieren. Dazu gibt es am Trail sogenannte Accesspoints, an denen dich die Polizei oder ein Tour-Anbieter erreichen kann. Diese sind auf der Interaktiven Karte mit roten Kreuzen markiert. Dort findest du auch eine Liste der Tour-Anbieter, die dich dort im Notfall abholen können. Speichere die Koordinaten der Punkte sowie die Telefonnnummern der Tour-Anbieter und der Polizei unbedingt vorab auf deinem Gerät ein und schreibe sie auch deinem Notfallkontakt auf. Diese Person sollte also den Verlauf deiner Wanderung, die GPS-Tracks der Accesspoints und die Telefonnummern der jeweiligen Tour-Anbieter und der Polizei kennen, damit sie im Falle eines Hilferufs von dir die nötigen Schritte einleiten kann. Ich habe meiner Mutter vor Abreise eine Liste mit allen relevanten Daten zusammengestellt und ihr die interaktive Karte des ACT erklärt. Die Polizei in Grönland erreichst du unter +299 701448.

Verpflegung auf dem Arctic Circle Trail

Trinkwasser

Entlang des ACT gibt es mehr als genug Seen und Flüsse mit Trinkwasserqualität. Das Wasser kann aufgrund des fehlenden menschlichen Einflusses unbehandelt getrunken werden. Je nach Wasserquelle können kleine Tierchen oder Pflanzenreste im Wasser sein, von denen allerdings keine Gefahr ausgeht. Zumindest traten bei uns keine Folgen auf. Zu beachten ist lediglich, dass das Wasser, das direkt von Gletschern kommt – zum Beispiel am Russell Glacier – wegen der vielen enthaltenen Sedimente nicht getrunken werden sollte. Wir hatten pro Person eine Liter-Flasche dabei und sind damit gut über die Runden gekommen. Zur Sicherheit hatten wir beim Trekking auch immer Wasseraufbereitungstabletten dabei, mussten diese in Grönland allerdings nicht anwenden.

Wasser auf dem ACT
Trinkpause auf dem Arctic Circle Trail

Essen auf dem Arctic Circle Trail

Das meiste Gewicht in deinem Rucksack wird dein Proviant verursachen, da entlang des Trails keine Vorräte nachgekauft werden können. Je nachdem, wo du den Trail beginnst und wie viele Tagesetappen du planst, wirst du ausreichend Nahrung für acht bis zwölf Tage mit dir herumtragen müssen. Und ich kann dir sagen: Der Hiker-Hunger wird kommen! Die meisten Wanderer bringen ihren Proviant von zu Hause mit, denn Lebensmittel in Grönland sind sehr teuer, und oft bleibt vor dem Trailstart keine Zeit mehr zum Einkaufen. Aber selbstverständlich gibt es in Kangerlussuaq und Sisimiut Supermärkte, falls man etwas vergessen hat. Die Gaskartusche für den Kocher darf nicht im Flugzeug mitgeführt werden und muss daher vor Ort gekauft werden. Wir haben unseren Gasvorrat direkt nach der Landung am Flughafen von Kangerlussuaq gekauft, um sicherzugehen, dass wir noch welche bekommen. Beachtet beim Kauf, dass bei kalten Temperaturen mehr Gas benötigt wird. Wir hatten zwei große Kartuschen dabei.

Typischerweise gibt es für Trekking-Nahrung zwei Möglichkeiten: Die teure Variante sind fertige, ultraleichte Meals aus dem Outdoorladen, die an Astronautennahrung erinnern. Die günstigste Variante sind Tütensuppen, Instantnudeln und Co. aus dem Supermarkt – jeweils angereichert mit Porridge zum Frühstück und hochkalorischen Snacks. Für uns kam keine der beiden Varianten in Frage. Erstere konnten und wollten wir uns nicht leisten, letztere war uns zu ungesund und zu nährstoffarm.

Wir haben uns daher entschieden, unsere Trekking-Nahrung selbst zu machen. Der Vorteil hierbei ist klar: Es ist günstig und gesund. Der Nachteil: eindeutig schwerer und voluminöser als Fertiggerichte. Ein Kompromiss musste also her: Für Frühstück und Abendessen haben wir Haferflocken, Nudeln, Couscous und Quinoa abgewogen und in kleinen Gefrierbeuteln portioniert. Die Haferflocken zum Frühstück einfach mit Milchpulver, Nüssen und Trockenobst mischen, und schon hast du ein gesundes Frühstück. Für das Abendessen haben wir jeweils getrocknetes Gemüse, Tomatenpulver und andere Gewürze hinzugefügt. Als Proteinquelle wurden getrocknete Sojaschnitzel untergemischt; diese sind leicht und brauchen nicht lange im Kochtopf. Zu Mittag gab es meistens nur Riegel, Nüsse und bei besonders anstrengenden Etappen eine Tütensuppe.

Eine detaillierte Liste unserer Verpflegung mit Mengenangaben für zwei Personen findest du hier.

Real Life auf dem ACT
Gekocht wird auf dem Boden

Ausrüstung auf dem Arctic Circle Trail

Bei der Trekking-Ausrüstung scheiden sich bekanntlich die Geister. Die einen schwören auf ultraleicht, die anderen auf die herkömmlichen schweren Rucksäcke und Wanderstiefel statt leichten Trailrunnern. Zugegeben, wir gehören zur zweiten Gruppe, allerdings nicht ganz freiwillig, denn ultraleichte Zelte, Schlafsäcke und Co. können schnell ein kleines Vermögen kosten. Außerdem ist uns ein gewisser Komfort im Zelt wichtig.

Kleidungstechnisch solltest du auf alles vorbereitet sein – von Starkregen über Schnee bis hin zu heißen Sonnentagen. Kleidung machte definitiv das geringste Gewicht in unserem Rucksack aus, denn das meiste trugen wir jeden Tag im Zwiebellook am Körper. Wir hatten genau einen Satz Kleidung für tagsüber und einen für die Nacht, und der wurde gehütet wie unser Augapfel. Außerdem empfehlen wir Trekking-Sandalen oder andere Schuhe, mit denen du Flüsse furten kannst (also keine Flip-Flops) – natürlich nur, falls du mit schweren Stiefeln unterwegs bist. Trailrunningschuhe trocknen eindeutig schneller und können daher einfach an bleiben. Ebenfalls ins Gepäck gehören Wanderstöcke, die Notfallapotheke und natürlich das GPS-Gerät.

Eine detaillierte Packliste zum ACT findest du hier.

Trekking_Packliste
Unser Gepäck kurz vor Abfahrt nach Kopenhagen

Lohnt sich der ACT?

Eindeutig – JA! Auch wenn die Vorbereitung aufwendig ist, auch wenn die Anreise sehr teuer ist, auch wenn es auf dem Trail sehr nass ist – es lohnt sich. Diese Weite und Abgeschiedenheit, Tundra und Permafrost, das Trinken aus reinen Seen und Flüssen, der würzige Geruch der Moose und Gräser. All das macht die Beschwerlichkeiten des Trails wieder wett.

Für diejenigen unter euch, die beim Wandern die wilde Naturerfahrung suchen, die an ihre körperlichen und mentalen Grenzen gehen wollen, für die ist der Trail aus unserer Sicht das Hiker-Paradies. Nicht viele Trails können eine solche Abgeschiedenheit bieten. Diejenigen die einen Wohlfühlweg suchen, sollten sich vielleicht lieber eine der vielen anderen europäischen Mehrtageswanderungen aussuchen. Zum Beispiel den Mestia-Ushguli Trail in Georgien!

Der Arctic Circle Trail ist auch eine wunderbare Möglichkeit auf nachhaltige Art und Weise den Tourismus und damit auch die Wirtschaft Grönlands zu unterstützen und sich ein Bild davon zu machen, wie die Grönländerinnen und Grönländer seit jeher mit und von der wilden Natur ihres Landes leben.

Und, bereit zum Loswandern? Falls du noch Frage hast, schreibe uns in den Kommentaren oder schaue mal bei unseren anderen Beiträgen zum ACT vorbei!

Weitere spannende Beiträge zu Grönland findest du hier:

Ilulisat_Sisimiut_Reisegeschichte
West-Grönland: Von Sisimiut nach Ilulissat zum Eisfjord
Mit der Fähre von Sisimiut nach Ilulissat: Eisberge, Wandern am Eisfjord und alte Bekannte. Unser Grönland-Abenteuer...
Weiter lesen
Trailnahrung_Trekking
How to Trekking-Nahrung
Trekking-Nahrung selbstgemacht? Wir zeigen dir wie es geht. Gesund und günstig auf dem Trail unterwe...
Weiter lesen
ACT_Teil 2_the Trail provides
Trekking Packliste für den Arctic Circle Trail
Unsere Trekking-Packliste für den Arctic Circle Trail.
Weiter lesen
Arctic Circle Trail Grönland Teil 4
Der Arctic Circle Trail - 11 Tage zu Fuß durch Groenland Teil 4
Trekking auf dem Arctic Circle Trail Grönland! Unendliche Weiten, wilde Schönheit, pures Erleben. Teil...
Weiter lesen
Arctic Circle Trail dritte Etappe
Der Arctic Circle Trail - 11 Tage zu Fuß durch Groenland Teil 3
Trekking auf dem Arctic Circle Trail Grönland! Unendliche Weiten, wilde Schönheit, pures Erleben. Teil...
Weiter lesen
Arctic Circle Trail erste etappen
Der Arctic Circle Trail - 11 Tage zu Fuß durch Groenland Teil 2
Trekking auf dem Arctic Circle Trail Grönland! Unendliche Weiten, wilde Schönheit, pures Erleben. Teil...
Weiter lesen
Arctic Circle Trail_Teil 1_Inlandeis
Der Arctic Circle Trail - 11 Tage zu Fuß durch Groenland Teil 1
Trekking auf dem Arctic Circle Trail Grönland! Unendliche Weiten, wilde Schönheit, pures Erleben. Teil...
Weiter lesen

Und jetzt seid ihr dran! Erzählt uns von euren Erfahrungen oder stellt uns Fragen!

Schreibt es in die Kommentare oder schreibt uns auf Instagram.

Wir freuen uns auf euch!

 

Kostenlose Camping-Packliste als PDF erhalten

Trage hier deine E-Mail-Adresse ein und erhalte deine Camping-Packliste und unsere neusten Reisegeschichten, Reportagen & Reisetipps direkt in dein Postfach!

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

HAT DICH DAS REISEFIEBER GEPACKT?

TRAGE DICH EIN UND ERHALTE DIE NEUESTEN REISEGESCHICHTEN, REPORTAGEN & REISETIPPS DIREKT IN DEIN POSTFACH!

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen